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Naturschutz-Pachtvertrag für Wälder

Oeversee, den 01.05.2002


„Wald“ ist nach dem Verständnis vieler Menschen fast bedeutungsgleich mit „Natur“. Zweifellos naturnah sind auch nach dem Urteil von Fachleuten vielen Wälder, zum Beispiel solche der Geest, die von Laubgehölzen geprägt sind und wo das Quellwasser an vielen Stellen austritt und in kleinen Bächen zu Tal rinnt. Oft sind solche Wälder schon seit Generationen im Familienbesitz. Man mag nicht von ihnen lassen, auch wenn die Bewirt-schaftung kaum lohnt. Für den Naturschutz sind sie hingegen hochinteressant, denn hier laufen natürliche Prozesse noch größtenteils ungestört ab.

Wie aber bringt man die Familieninteressen und die des Naturschutzes zusammen? Die „Kurt und Erika Schrobach-Stiftung“, bekannt als die größte private Naturschutzstiftung in Schleswig-Holstein, hat sich dafür etwas einfallen lassen. Sie hat einen Vertrag entwickelt, der dauerhaft die Ziele des Naturschutzes im Wald fördert und es dabei offen lässt, ob der Wald im Familienbesitz bleibt oder ob sich die Eigentumsverhältnisse später ändern.

Grundlage ist ein auf die Dauer von 30 Jahren geschlossener Pachtvertrag. Der Pachtzins, der in kapitalisierter und abgezinster Form zu Beginn des Pachtverhältnisses an den Eigentümer ausgezahlt wird, ist so berechnet, dass ein dauerhafter Nutzungsausfall abgegolten wird. Um eine dauerhafte Sicherung über den Pachtzeitraum zu gewährleisten, beinhaltet der Vertrag einen grundbuchlichen Eintrag mit folgendem Wortlaut:

„Das Grundstück dient Zwecken des Naturschutzes. Alle Handlungen, die zur Beschädigung, oder im Sinne des Naturschutzes nachteiligen Veränderung des Gebietes oder seiner Bestand-teile oder zu einer erheblichen oder nachhaltigen Störung führen können, sind untersagt. Der Eigentümer hat die zur Erreichung des Schutzzweckes erforderlichen Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen zu dulden. Maßnahmen, die zur Erreichung des Schutzzweckes notwendig sind, sind nach Ablauf des Pachtzeitraumes bei ausdrücklicher Genehmigung der Schrobach-Stiftung im Einzelfall möglich.“

Weiterhin beinhaltet der Pachtvertrag unter anderem ein Vorkaufsrecht für die Schrobach-Stiftung. Die Jagdpacht verbleibt beim Eigentümer. Dieser hat alle auf dem Pachtgrundstück ruhenden öffentlichen Lasten, Steuern und Abgaben zu tragen, während die Schrobach-Stiftung für die Beiträge zur landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft und die Haftpflicht-versicherung aufkommt.

Solange die Stiftung also Pächterin der Fläche ist, kann sie den Wald im Sinne des Natur-schutzes bewirtschaften, ggf. auch umbauen, z.B. Nadelholz- in Laubwaldparzellen umwandeln. Nach dem Ablauf des Pachtvertrages bleibt die Zweckbestimmung des Waldes dieselbe, gleichgültig, wem er gehört. Die Investitionen der Schrobach-Stiftung sind damit langfristig gesichert.

Die Schrobach-Stiftung hat ihre Arbeitsschwerpunkte in drei Projektgebieten: der Oberen Treeenelandschaft bei Oeversee im Kreis Schleswig-Flensburg, der Pohnsdorfer Stauung bei Preetz im Kreis Plön und im Naturpark Aukrug im Grenzbereich der Kreise Rendsburg-Eckernförde und Steinburg. Allein in Aukrug verfügt die Stiftung inzwischen über 190 ha (überwiegend Waldflächen), in ganz Schleswig-Holstein sind es über 800 ha, die sie – zum Teil mit finanzieller Förderung des Landes Schleswig-Holstein – erworben oder langfristig gepachtet hat.. Informationen gibt es von der Geschäftsstelle der Schrobach-Stiftung, Theodor-Heuss-Ring 56, 24113 Kiel, Telefon: 04 31 / 210 91 77, FAX: 04 31 / 210 91 78.

Auszug aus dem Jäger & Fischer-Magazin vom Mai 02, herausgegeben vom Ministerium für Umwelt SH