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Wollige Naturschützer und seltene Libellen

Oeversee, den 01.08.2002

Küchenschelle und Knoblauchkröte, Wollgras und Wiesenweihe, Kreuzotter, Eisvogel, Orchideen und seltene Libellenarten sind in der Oberen Treenelandschaft zu Hause. Die Region zwischen den Ausläufern des Angeliter Hügellandes und dem Tal der Treene besteht aus einer Kombination selten gewordener Biotope. Zum 2.000 ha großen Kerngebiet gehören eine Dünen- und Niederungslandschaft am Treßsee, die Billau-Niederung nördlich des Sankelmarker Sees, die Ihlseestrom-Niederung, das Treenetal vom Treßsee bis Tarp, die Fröruper Berge, das Hochmoor bei Süderschmedeby und das Großsolter Moor.

Mit der Anerkennung des Naturschutzgroßprojektes Obere Treenelandschaft von „gesamt-staatlich repräsentativer Bedeutung“ entsteht eines des aufwändigsten Naturschutzprojekte Schleswig-Holsteins. Der Naturschutzverein Obere Treenelandschaft e.V. hat sich dabei ehrgeizige Ziele auf den Fahnen geschrieben: Naturschutz, Förderung des Fremdenverkehrs, Hilfe bei der Vermarktung regionaler Produkte und die Zusammenführung der verschiedenen Naturschutzinteressen. Glücklicherweise bedeutet das Prädikat „gesamtstaatliche repräsentative Bedeutung“ nicht nur Ruhm und Ehre, sondern auch Förderung. Seit Juli 2000 fördert der Bund mit finanzieller und personeller Unterstützung des Landes und der Schrobach-Stiftung Flächenerwerb und biotopgestaltende Maßnahmen in der Oberen Treenelandschaft. Ziel ist die Schaffung eines möglichst nur nach Naturschutzgesichtspunkten entwickelten Ausschnittes der Landschaft mit ihren Mooren, Heiden, Feuchtwiesen, Trockenrasen und Wäldern. 10 Millionen Euro sollen in den nächsten zehn Jahren in dieses Projekt fließen, wovon 7,5 Millionen Euro vom Bund kommen.

Eine Biologin, eine Agrarwissenschaftlerin und ein EDV-Techniker sind halbtags in dem Verein beschäftigt, der seine Geschäftsstelle im Naturkindergarten Oeversee hat. Aber es gibt auch noch andere Naturschützer, die jeden Tag aktiv sind. Dazu gehört eine Wanderschafherde, die zur Landschaftspflege eingesetzt wird. 150 gehörnte Moorschnucken grasen unter der Aufsicht der Jungschäferin Angela Kleinmann an der Treene. Sie sollen Feuchtwiesen, Moore, Magerrasen und Dünenbereiche offen halten, um die Artenvielfalt der Pflanzenwelt zu fördern. Im März dieses Jahres lud der Naturschutzverein gemeinsam mit Angela Kleinmann zu den ersten „Oeverseer Lammtagen“ ein. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg und soll im nächsten Jahr wiederholt werden. Sie ist eines von vielen Beispielen dafür, dass die Mitglieder des Naturschutzvereins eine breite Öffentlichkeit suchen – und in der Region auch finden.

Ein Schwerpunkt der Öffentlichkeitsarbeit soll die Information von Kindern und Jugendlichen sein. Vor kurzem hat der Verein gemeinsam mit dem ADS beschlossen, eine Naturschule in Oeversee zu gründen. Hier wird Lehrern, Erziehern und Schülern in Zukunft das Thema „Naturschutz“ nahe gebracht. Im März und April besuchen Schulklassen während der Lammzeit gern den Schafstall von Angela Kleinmann und erfahren viel Wissenswertes über die Aufgaben der wolligen Naturschützer. Und natürlich sind – für Kinder und Erwachsene – jederzeit Führungen durch Teilgebiete der Landschaft möglich.

Auszug aus dem Aktion Sparkasse-Heft vom August 02