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Waldschutzgebiet Fröruper Berge

Oeversee, den 21.12.2002

 

Ein verwunschener Märchenwald – so wirken die Fröruper Berge in diesen Tagen.
Unberührte Natur, Moore, Hügel und Täler kennzeichnen das Gebiet bei Oeversee.


Wie eine hauchdünne Schicht Puderzucker auf einem Weihnachtskuchen hat sich der erste Schneegriesel über die Wege gelegt. Der Himmel ist klar, die Luft auch, die orangefarbene untergehende Nachmittagssonne hat die Baumwipfel in helles Licht getaucht, wie von Scheinwerfern angestrahlt werfen die Buchenstämme lange Schatten über das rostbraune Laub auf dem Waldboden. Wie aus einem Weihnachtsmärchen – so muten die Fröruper Berge an einem eiskalten Dezember-Nachmittag an.

Vielleicht liegt es an der weitgehend unberührt wirkenden Natur, umgekippten Bäumen, krumm und schief wachsenden Buchen und Eichen, vielleicht an den vielen Hügeln und Kuppen, dien weiß zugefrorenen Tümpeln, den Mooren und der struppigen Heide, dass sich der Eindruck aufdrängt, in einem verwunschenen Märchenwald unterwegs zu sein. Fasziniert und angezogen haben die Fröruper Berge die Menschen deshalb schon immer. In den dreißiger Jahren wurde der zentrale hügelige Bereich, weil er die Zeitgenossen ans Mittel-gebirge erinnerte, unter Naturschutz gestellt. In den folgenden Jahrzehnten haben die Fröruper Berge auch andere Zeiten erlebt. Monokulturen, in denen allein auf schnell wachsende Nadelbäume gesetzt wurde, Kiesabbau, Entwässerung der Moorflächen haben dem Kleinod östlich von Oeversee zugesetzt.

Doch seit vier Jahren versucht man mit System, das Rad zurückzudrehen. Seitdem die Schrobach-Stiftung 1999 das rund 250 Hektar große und mitten im Naturschutzgroßprojekt Obere Treenelandschaft liegende Gelände vom Kreis Schleswig-Flensburg gekauft hat, wird es konsequent umgebaut zu einem naturnahen Wald. Urwald ist man geneigt zu sagen, wenn es um die Pläne geht, die von Schrobach-Stiftung und Naturschutzverein Obere Treenelandschaft vorangetrieben werden. Unberührt, ursprünglich – so soll der Wald im Idealfall sicherlich aussehen. Doch Dr. Cordelia Wiebe, Geschäftsführerin der Schrobach-Stiftung, und Förster Arne Petersen vermeiden Schlagworte wie „Urwald“. Denn ursprünglich und unberührt ist dort, wo Menschenhand einmal eingegriffen hat, nichts mehr.

Aber zumindest annähernd urwaldlich soll es in den Fröruper Bergen wieder werden. Dafür sorgen in der Praxis die von der Schrobach-Stiftung mit dem Waldumbau betrauten Förster Arne Petersen und Jan Kumke von der Planungsgemeinschaft silvaconcept, die „die Natur in ihrer Dynamik begleiten“. Das heißt: Die von Menschen gepflanzten Nadelhölzer, zurzeit noch gut 50 Prozent der Waldfläche, werden sukzessive entfernt. Dort, wo sich keine Natur-verjüngung von selbst einstellt, werden sie durch heimische Laubbäume wie Buche, Eiche, Birke, Eibe, Wacholder, Ulme oder auch Spitzahorn ersetzt. Eines Tages sollen die Laubwaldgesellschaften sich selbst überlassen werden. Kippt ein Buam um, dann bleibt er dort liegen. Mit einem erhöhten Totholzanteil verbinden die Förster, die Schrobach-Stiftung und Thorsten Roos, Geschäftsführer des Naturschutzvereins, der Träger des Projektes ist, die Hoffnung, dass sich der Anteil der Tier- und Pilzarten erhöht, die auf Totholz angewiesen sind. „Der Umbau wird noch einige Jahre beanspruchen“, so Arne Petersen.

Naturschutz hin, menschliche Eingriffe her – eines wollen die Schrobach-Stiftung und der Naturschutzverein Obere Treenelandschaft auf keinen Fall: den Mensch aussperren. Im nächsten Jahr bringt der Naturschutzverein eine Karte mit Wander- und Reitwegen heraus, die Waldjugend ist aktiv, der Naturschutzverein hat einen Bauwagen zu einem rollenden Klassenzimmer umgebaut, um „die Kinder in die Natur hereinzuholen“.

Eingebettet sind die Fröruper Berge in das Naturschutzgroßprojekt Obere Treenelandschaft, ein insgesamt etwa 2.000 Hektar großes Gebiet, das verschiedenste Naturräume miteinander verbindet und wegen seiner Seltenheit, Schutzwürdigkeit und Gefährdung sogar vom Bund gefördert wird. Keine Selbstverständlichkeit, sagt Thorsten Roos, denn der Bund hält sich bei Förderung von Naturschutzprojekten normalerweise zurück. „Das ist Ländersache“. Für zehn Jahre werden für das Gesamtprojekt von Bund und Land neun Millionen Euro zur Verfügung gestellt, eine Million Euro trägt die Schrobach-Stiftung.

Die Einbettung in das Großprojekt ermöglicht etwas, was in den seltensten Fällen möglich ist: Die scharfen Grenzen zwischen Wald und den ihn umgebenden Wiesen, Mooren, Biotopen können aufgehoben werden. Die Übergänge werden fließend. Zudem betreibt die Schrobach-Stiftung die Anhebung des Grundwasserstandes auf naturnäheres Niveau, nachdem vor allem in den fünfziger Jahren die Entwässerung der Moorflächen eingesetzt hatte. Das Rad – es wird eben nicht neu erfunden, sondern zurückgedreht.

Auszug aus dem Flensburger Tageblatt vom 21.12.02