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Flurordnung erfüllt vielfältige Aufgaben im ländlichen Raum

Oeversee, den 16.08.2003

Landwirtschaft wird zunehmend mit raumbeanspruchenden Planungen wie Projekten zur Infrastruktur oder zum Naturschutz konfrontiert

Die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein galt jahrzehntelang im Vergleich der alten Bundes-länder als Vorreiter und Vorbild für Agrarstruktur und hohe Produktivität. Neben aufgeschlossenen Betriebsleitern und guten Boden- und Klimabedingungen war diese Vorbildfunktion auch das Ergebnis von Flurbereinigungsverfahren.

Was vor 50 Jahren mit dem Programm Nord begann, setzte sich bis heute fort. So wurden beispielsweise

  • die inneren Verkehrslagen der landwirtschaftlichen Betriebe verbessert, indem Betriebsflächen zusammengelegt wurden,
  • gute Wegenetze geschaffen,
  • umfangreiche lineare und flächenhafte Anpflanzungen durchgeführt und
  • Flächen für Maßnahmen des Naturschutzes bereitgestellt.

Der Begriff der „Flurbereinigung“ ist dabei missverständlich und inzwischen auch in der öffentlichen Diskussion eher negativ behaftet. Daher ist es geboten, dass die positiven Aspekte für den gesamten ländlichen Raum deutlich herausgestellt werden. So ist es fast nur über Flurneuordnungsverfahren möglich, größere zusammenhängende Bereiche von der land-wirtschaftlichen Nutzung freizustellen und in den Naturschutz zu überführen. Im Eider-Treene-Sorge-Gebiet beispielsweise konnten im Rahmen der Flurbereinigung Meggerdorf über 400 ha im Bereich der alten Sorge-Schleife für Naturschutzzwecke zur Verfügung gestellt werden. Das Naturschutzgroßprojekt des Bundes mit gesamtstaatlicher Bedeutung „Obere Treenelandschaft“ (Kreis Schleswig-Flensburg) wird ebenfalls durch ein Flurneu-ordnungsverfahren begleitet, um ein möglichst konfliktarmes Miteinander von Landwirt-schaft und Naturschutz zu ermöglichen.

Gleichzeitig kann die häufig zu beobachtende Flächenzersplitterung, oft das Ergebnis von Zukauf oder Zupacht von Einzelflächen, durch Landtausch verringert und somit die Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe gestärkt werden. So bleiben dem ländlichen Raum Arbeitsplätze im landwirtschaftlichen, aber auch im gewerblichen bzw. Dienstleistungsbereich erhalten.

Der Ausbau und die Verstärkung landwirtschaftlicher Wege dient nicht nur dem reibungs-losen Ablauf landwirtschaftlicher Verkehre, sondern auch im Rahmen multifunktionaler Nutzung der Naherholung und dem Tourismus. Speziell der Radtourismus, bei dem das Land Schleswig-Holstein einen guten Ruf genießt, ist auf gut ausgebaute Wege abseits der Haupt-verkehrsströme angewiesen. Die Erhaltung und Gestaltung eines derartigen Wegenetzes ist als Gemeinschaftaufgabe anzusehen, die die Finanzkraft der einzelnen Gemeinden überfordert.

In letzter Zeit zeigt sich, dass die Landwirtschaft zunehmend mit raumbeanspruchenden Planungen wie Infrastrukturprojekten (z.B. Straßenbau) oder Vorhaben des Naturschutzes (z.B. Ausweisung von Schutzgebieten, EU-Wasserrahmenrichtlinie) konfrontiert wird. So besteht weiterhin aus vielen Gründen Bedarf für Flurneuordnungsverfahren in zahlreichen Gemeinden. Allein die hohe Anzahl noch nicht entschiedener Anträge von Gemeinden zur Einleitung eines Verfahrens zeigen die große Notwendigkeit und auch die Bereitschaft, die gemeindliche Situation, nicht nur zum Wohle der Landwirtschaft allein, weiterzuentwickeln.
Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein ist seit Jahrzehnten über die Erstellung von Agrarstruktuellen Entwicklungsplanungen (AEP) in der Vorbereitung von Flurneuordnungen beratend tätig und hat so den agrarstruktuellen Wandel stetig begleitet. Die Landwirtschafts-kammer hält es daher für dringend geboten, den vorhandenen Einleitungsstop für neue Verfahren zu überdenken und der Flurneuordnung, auch unter veränderten Rahmen-bedingungen, eine neue Chance zu geben.

Die Landwirtschaftskammer ist weiterhin bereit, über das anerkannte Instrument der Agrar-struktuellen Entwicklungsplanung Landwirte und andere Verfahrensbeteiligte sowie Bürgerinnen und Bürger im ländlichen Raum über Chancen und Ziele der Flurneuordnung zu informieren und der Landesregierung konkrete Hinweise auf den Bedarf in Schleswig-Holstein zu geben. Ansprechpartner in der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein sind Dr. Holger Gerth, Tel.: 0431-9797/327, E-Mail: und Kerstin Ebke, Tel.: 0431-9797/296, E-Mail: .

Auszug aus dem Bauernblatt vom 16.8.03