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Ausgediente Kiesgruben: Heimat für Insekten, Pflanzen und Vögel

Oeversee, den 03.10.2003

 

Sind Kiesabbau und Naturschutz miteinander vereinbar? Das war das Thema in diesem Jahr. Gonde Clausen führte durch seine Kiesgruben.


„Kies, Sand und Steine werden gebraucht. Deshalb ist Kiesabbau nötig“, sagt der Natur-schutzbeauftragte des Kreises Schleswig-Flensburg, Edmund Link, bei der Exkursion des Naturschutzvereins (NSV). Aber der Abbau müsse naturverträglich geplant und umgesetzt werden. Die Gruben mit ihren Steilhängen, mageren Trockenflächen und flachen Biotopen seien ideale Lebensräume für Pflanzen, Vögel und Insekten.

„Flache Teiche und nährstoffarme trockene Flächen in abgekiesten Gruben werden in ökologisch wertvolle Biotoplandschaften verwandelt“, sagt die Biologin Dr. Wiebke Sach, Mitarbeiterin des NSV, „Wind und Vögel tragen Samen in die Gruben“.

In kurzer Zeit werden die trockenen Flächen und Hänge mit Huflattich, Ackerschachtelhalm sowie verschiedenen Kleearten wie Horn-, Schnecken-, Rot- und Steinklee bewachsen und so befestigt. In den offenen Sandböden der Kiesgruben seien 60 verschiedene Wildbienenarten und viele andere Insekten nachgewiesen worden. In den Steilhängen finden Sand- und Ufer-schwalben ideale Brutplätze.

Laut Kiesunternehmer Gonde Clausen sind es bis zu 1.000 Paare, die in diesem Jahr drei Mal gebrütet haben. Flussregenpfeifer und Wespenbussard seien ständige Gäste beim Kiesabbau. In der seit Jahren stillgelegten und denaturierten ehemaligen Kiesgrube des Kalksandstein-werks seien ein Drittel der nachgewiesenen Insekten- und Pflanzenarten in der roten Liste des Naturschutzbundes als gefährdet eingestuft, sagt die Biologin Sach. Das beweise, wie ökologisch wertvoll diese Flächen für den Naturschutz sind.

Gastgeber Gonde Clausen erläutert in einem Vortrag die erdgeschichtliche Entwicklung dieser Endmoränenlandschaft in den Gemeinden Oeversee und Sankelmark. Danach wurden die vorgelagerten Endmoränen vor etwa 10.000 bis 20.000 Jahren mit einer bis zu 500 Meter starken Eisdecke bis an die Linie der heutigen L 317 (B76) vorgeschoben und nach dem Abtauen abgelagert. An den Steilhängen sind diese Geschiebe mit Sandeinlagerungen deutlich sichtbar, für Geologen ein interessantes Forschungsgebiet. „Wir verfügen damit über den wichtigsten Rohstoff, den Deutschland hat“, sagte Gonde Clausen. 460 Tonnen verbrauche jeder Mensch in 70 Lebensjahren an Sand und Kies, erklärt der Unternehmer den staunenden Zuhörern. 65 Hektar hat die Firma Clausen seit 1964 abgebaut, für weitere 25 Hektar liegt eine Genehmigung vor.

Als Abschluss in diesem Jahr findet am 31. Oktober um 19.30 Uhr im Gasthof Frörup ein Rindfleischessen mit Fleisch von der Robustrinderherde von Peter Lorenzen, Munkwolstrup, statt. Anmeldungen bis zum 17. Oktober unter 0 46 30 / 93 60 96.


Auszug aus dem Flensburger Tageblatt vom 3.10.03